Du möchtest deine eigene, individuelle Filztasche kreieren und fragst dich, welche Techniken und Materialien dafür am besten geeignet sind? Das Selberfilzen von Taschen bietet dir die Möglichkeit, ein einzigartiges Accessoire zu gestalten, das nicht nur deinen persönlichen Stil widerspiegelt, sondern auch frei von unnötigen chemischen Zusätzen ist.
Das sind die beliebtesten Filz Produkte
Grundlagen des Filzens von Taschen
Filzen ist eine alte Handwerkstechnik, bei der Fasern durch Reibung, Feuchtigkeit und Druck zu einem festen Vliesstoff verbunden werden. Bei der Herstellung von Filztaschen unterscheidest du hauptsächlich zwischen zwei Methoden: dem Nassfilzen und dem Trockenfilzen.
Nassfilzen
Das Nassfilzen ist die traditionellere und wohl auch häufigste Methode, um Filz zu gestalten. Hierbei wird Schafwolle, meist Schurwolle, mit warmem Wasser und Seife bearbeitet. Durch wiederholtes Kneten, Drücken und Rollen verhaken sich die Wollfasern miteinander, wodurch ein dichter und robuster Filz entsteht. Für Filztaschen eignet sich das Nassfilzen besonders gut, da es dir erlaubt, größere Flächen relativ gleichmäßig zu gestalten und die Form der Tasche von Anfang an mitzubestimmen.
- Materialbedarf: Schurwolle (kardierte oder Kammgarn), Seifenlauge (flüssige Kernseife oder spezielle Filzseife), warmes Wasser, eine Filzunterlage (z.B. Noppenfolie, alte Handtücher).
- Prozess: Die Wollfasern werden feucht gemacht und mit Seife eingerieben. Anschließend werden sie sorgfältig geknetet, gerollt und gedrückt, bis sie miteinander verbunden sind. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen und erfordert Geduld und Ausdauer.
- Formgebung: Die Form der Tasche wird oft durch eine Schablone (z.B. aus Pappe oder Kunststoff) vorgegeben, auf die die Wollschichten gleichmäßig aufgelegt werden. Durch das Nassfilzen schrumpft die Wolle und passt sich der Schablone an.
Trockenfilzen (Nadelfilzen)
Das Trockenfilzen, auch bekannt als Nadelfilzen, verwendet spezielle Filznadeln mit Widerhaken. Diese Nadeln werden wiederholt in die Wollfasern gestochen, wodurch sich die Fasern verheddern und zu einem festen Material verdichten. Diese Technik eignet sich hervorragend für kleinere Details, Verzierungen oder das Filzen von einzelnen Formen, die später zu einer Tasche zusammengesetzt werden. Für die Herstellung einer kompletten Tasche durch reines Nadelfilzen ist ein sehr hoher Zeitaufwand erforderlich, und der Filz kann weniger flexibel sein als beim Nassfilzen.
- Materialbedarf: Schurwolle, spezielle Filznadeln (unterschiedliche Stärken), eine Filzunterlage (z.B. Schaumstoff oder Bürste).
- Prozess: Die Wollfasern werden auf die Unterlage gelegt und mit den Filznadeln wiederholt eingestochen. Die Widerhaken der Nadeln ziehen die Fasern ineinander.
- Formgebung: Einzelne Filzteile können so geformt und dann miteinander verbunden werden. Dies ermöglicht sehr präzise und detaillierte Designs.
Geeignete Wolle für deine Filztasche
Die Wahl der richtigen Wolle ist entscheidend für das Gelingen deiner Filztasche. Nicht jede Wolle ist gleich gut zum Filzen geeignet. Die Fasereigenschaften, insbesondere die Kräuselung und Oberflächenstruktur der einzelnen Wollhaare, spielen eine wichtige Rolle für den Filzprozess.
Schurwolle (Merino, Corriedale, etc.)
Hochwertige Schurwolle ist die erste Wahl für fast alle Filzprojekte. Sie hat einen natürlichen Fettgehalt (Lanolin) und eine ausgeprägte Kräuselung, was das Verfilzen erleichtert. Besonders beliebt ist:
- Merinowolle: Sie ist bekannt für ihre feinen, weichen Fasern, die zu einem sehr geschmeidigen und dennoch robusten Filz verarbeitet werden können. Sie ist ideal, wenn du Wert auf eine angenehme Haptik legst.
- Corriedale-Wolle: Diese Wolle ist etwas gröber als Merino, aber ebenfalls gut zum Filzen geeignet. Sie ergibt einen strapazierfähigeren Filz und ist oft kostengünstiger.
- Andere Schafrassen: Viele andere Schafrassen liefern ebenfalls gute Filzwolle. Die genauen Eigenschaften variieren je nach Rasse und Verarbeitung (kardiert vs. Kammgarn).
Wollvlies (Batting)
Wollvlies ist eine vorbereitete Form von Wolle, bei der die Fasern schon lose miteinander verbunden sind. Es ist besonders praktisch für das Nassfilzen, da es gleichmäßig auf eine Fläche aufgelegt werden kann und sich gut für die gleichmäßige Verteilung der Fasern eignet. Du kannst Wollvlies in verschiedenen Stärken und Farben kaufen.
Farbige Wolle und Effekte
Die Farbvielfalt an Filzwolle ist riesig. Du kannst einfarbige Wolle verwenden oder verschiedene Farben miteinander kombinieren, um interessante Muster und Verläufe zu erzielen. Auch die Technik des „Lagenfilzens“ oder das Einlegen von kleineren Wollstücken während des Filzprozesses ermöglicht einzigartige Effekte. Für besondere Optiken kannst du auch mit Effektgarnen oder anderen Naturfasern experimentieren, die du in den Filz einarbeitest.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Filztasche selber filzen (Nassfilzen)
Das Nassfilzen ist eine lohnende Methode, um deine eigene Tasche zu kreieren. Mit etwas Geduld und den richtigen Handgriffen erschaffst du ein Unikat.
Vorbereitung
- Design festlegen: Skizziere deine Tasche. Welche Form soll sie haben? Wie groß soll sie sein? Soll sie Henkel haben oder ein Umhängeband? Plane auch, ob du bestimmte Muster oder Verzierungen einarbeiten möchtest.
- Schablone erstellen: Für eine rechteckige oder quadratische Tasche ist eine Schablone unerlässlich. Schneide sie aus stabilem Karton oder Kunststoff aus. Die Größe der Schablone sollte etwas kleiner sein als die gewünschte Endgröße deiner Tasche, da die Wolle beim Filzen schrumpft (etwa 20-30%).
- Wollschichten vorbereiten: Ziehe dünne, gleichmäßige Wollsträhnen aus deinem Wollvlies oder deiner kardierten Wolle.
- Arbeitsplatz vorbereiten: Lege eine Noppenfolie oder ein großes Handtuch aus. Halte warmes Wasser und Seifenlauge (Mischung aus warmem Wasser und flüssiger Kernseife oder Filzseife) bereit.
Fasern auflegen
- Erste Schicht: Lege die erste dünne Wollschicht kreuzweise über die gesamte Fläche deiner Schablone. Achte auf eine gleichmäßige Dicke und Bedeckung.
- Zweite Schicht: Lege die zweite Schicht im 90-Grad-Winkel zur ersten Schicht auf. Auch hier ist eine gleichmäßige Verteilung wichtig. Wiederhole diesen Vorgang, bis du die gewünschte Dicke für deine Tasche erreicht hast. Für eine stabile Tasche sind in der Regel mindestens 4-6 Schichten nötig, je nach Dicke der einzelnen Schichten.
- Seife und Wasser: Befeuchte die aufgelegten Wollschichten vorsichtig mit der Seifenlauge. Achte darauf, dass die Wolle gut durchfeuchtet ist, aber nicht im Wasser schwimmt.
Filzen und Kneten
- Erstes Kneten: Decke die Wollschichten mit einem weiteren Stück Folie oder einem dünnen Tuch ab. Beginne nun, die Wolle vorsichtig mit deinen Händen zu bearbeiten. Knete, drücke und streiche über die Wolle. Ziel ist es, die Fasern langsam miteinander zu verbinden, ohne dass sie sich verschieben.
- Wenden: Wende die gesamte Konstruktion und wiederhole das Kneten auf der anderen Seite.
- Schablone lösen: Nach einiger Zeit des Knetens wirst du merken, dass die Wolle fester wird. Nun kannst du beginnen, die Schablone vorsichtig herauszulösen. Das kann etwas knifflig sein, erfordert aber Geduld.
- Intensives Kneten: Sobald die Schablone entfernt ist, wird das Kneten intensiver. Du kannst die Tasche nun kräftiger kneten, rollen und sogar sanft werfen. Das Ziel ist, den Filz weiter zu verdichten und ihn formstabil zu machen. Achte darauf, dass die Ecken und Kanten gut mitgefilzt werden. Dieses Stadium kann je nach Dicke des Filzes und gewünschter Festigkeit 30 Minuten bis mehrere Stunden dauern.
Formen und Waschen
- Formgebung: Während des Knetens und Rollens formst du die Tasche. Du kannst sie in Form ziehen und die Kanten glätten.
- Ausspülen: Wenn der Filz die gewünschte Festigkeit erreicht hat, spülst du die Seife gründlich mit klarem, warmem Wasser aus.
- Trocknen: Drücke überschüssiges Wasser vorsichtig aus der Filztasche. Wickle sie in ein trockenes Handtuch und drücke erneut. Lasse die Tasche dann an einem gut belüfteten Ort trocknen. Du kannst sie mit Zeitungspapier ausstopfen, um die Form zu erhalten.
Henkel und Verschlüsse
Sobald deine Tasche trocken ist, kannst du sie weiter bearbeiten:
- Henkel: Henkel können entweder direkt mit der Tasche mitgefilzt werden (das erfordert etwas mehr Übung beim Auflegen der Wolle) oder separat gefilzt und anschließend angenäht werden. Du kannst auch fertige Leder-, Gurtband- oder geflochtene Henkel verwenden.
- Verschlüsse: Je nach Design kannst du einen Reißverschluss, Knöpfe, Klettverschlüsse oder einen Magnetverschluss anbringen. Filztaschen lassen sich auch gut mit einem Bindeband oder einem Überwurf schließen.
- Verzierungen: Mit der Nadelfilztechnik kannst du nachträglich noch Muster, Applikationen oder kleine Figuren auf deine Tasche filzen.
Trockenfilzen für Details und Dekoration
Während das Nassfilzen die Grundlage für die Struktur deiner Tasche bildet, ist das Trockenfilzen ideal für feine Arbeiten und die Personalisierung.
Techniken des Nadelfilzens
- Punktieren: Die einfachste Technik ist das wiederholte Einstechen der Nadel in eine Wollflocke, bis diese verdichtet ist.
- Formen: Durch gezieltes Einstechen und Modellieren mit den Fingern kannst du kleine Kugeln, Ovalformen oder andere dreidimensionale Objekte filzen, die du später an deine Tasche anbringst.
- Flächiges Filzen: Auch für flächige Dekorationen kann Nadelfilzen verwendet werden, indem man dünne Wollsträhnen auflegt und diese mit der Nadel fixiert. Dies eignet sich gut für das Auftragen von Mustern auf bereits gefilzte Oberflächen.
Anwendung auf Filztaschen
Mit Nadelfilz kannst du deine Filztasche einzigartig gestalten:
- Muster und Motive: Filze Blumen, Blätter, Tiermotive oder abstrakte Muster direkt auf die Oberfläche deiner Tasche.
- Applikationen: Fertige kleine, flache oder auch dreidimensionale Filzfiguren an und nähe sie auf deine Tasche.
- Konturen und Linien: Verwende dünne Wollsträhnen und die Nadelfilztechnik, um feine Linien und Konturen zu erstellen.
- Struktur und Relief: Durch das gezielte Nadelfilzen kannst du auch kleine Erhebungen und Reliefs auf der Oberfläche deiner Tasche schaffen.
Pflege deiner Filztasche
Eine selbstgemachte Filztasche ist ein langlebiges Accessoire, wenn du sie richtig pflegst.
- Reinigung: Leichte Verschmutzungen lassen sich oft mit einer weichen Bürste oder einem leicht feuchten Tuch entfernen. Bei hartnäckigeren Flecken kannst du die betroffene Stelle vorsichtig mit etwas warmer Seifenlauge behandeln und anschließend mit klarem Wasser abspülen. Vermeide es, die gesamte Tasche in die Waschmaschine zu stecken, da sie dadurch weiter verfilzen und ihre Form verlieren kann.
- Trocknung: Lasse deine Tasche immer an der Luft trocknen. Vermeide direkte Sonneneinstrahlung oder Heizkörpernähe, da dies den Filz austrocknen und brüchig machen kann.
- Form bewahren: Um die Form deiner Tasche zu erhalten, kannst du sie regelmäßig mit Zeitungspapier ausstopfen, besonders wenn sie längere Zeit nicht benutzt wird.
- Vermeide zu viel Nässe: Obwohl Filz relativ wasserabweisend ist, sollte er nicht durchnässt werden.
Tabellarische Übersicht: Filztasche selber filzen
| Aspekt | Nassfilzen | Trockenfilzen (Nadelfilzen) | Materialien | Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Grundtechnik | Verbindung von Fasern durch Wasser, Seife und Reibung | Verfilzen von Fasern durch wiederholtes Einstechen mit Nadeln | Schurwolle, Seife, Wasser, Noppenfolie | Herstellung ganzer Taschen, größere Flächen |
| Ergebnis | Dichter, flexibler und robuster Filz | Fester, oft strukturierter Filz, ideal für Details | Schurwolle, Filznadeln, Filzunterlage | Dekorationen, Applikationen, feine Muster |
| Zeitaufwand | Mittel bis hoch, je nach Größe und Dicke | Hoch für große Flächen, mittel für Details | — | — |
| Schwierigkeitsgrad | Einsteigerfreundlich mit Übung | Benötigt Fingerspitzengefühl und Geduld für Präzision | — | — |
| Kreative Freiheit | Sehr hoch bei Form und Farbe | Hohe Freiheit bei Details und Musterung | — | — |
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Filztasche selber filzen
Ist Filzen schwer zu lernen?
Nein, Filzen ist nicht grundsätzlich schwer zu lernen. Die Grundlagen des Nassfilzens, wie das gleichmäßige Auflegen der Wolle und das Kneten, sind recht intuitiv. Mit etwas Geduld und Übung gelingen dir schnell erste Ergebnisse. Das Trockenfilzen erfordert etwas mehr Fingerspitzengefühl für feine Details.
Welche Art von Wolle ist am besten für Anfänger?
Für Anfänger eignet sich besonders gut kardierte Schurwolle oder Wollvlies von Merinoschafen. Diese Wolle ist weich, lässt sich gut verteilen und verfilzt zuverlässig. Achte darauf, dass die Wolle als „zum Filzen geeignet“ gekennzeichnet ist.
Wie schrumpft die Tasche beim Filzen?
Beim Nassfilzen ziehen sich die Wollfasern unter Einfluss von Wasser, Wärme und Reibung zusammen. Dieser Prozess, das sogenannte Filzschrumpfen, führt dazu, dass der Filz dichter und kompakter wird. Plane beim Entwurf deiner Tasche etwa 20-30% Schrumpfung ein, je nach Wollart und Filzdauer.
Kann ich meine Filztasche in der Waschmaschine waschen?
Es wird generell nicht empfohlen, eine fertige Filztasche in der Waschmaschine zu waschen, da sie dabei weiter verfilzen, ihre Form verlieren oder verhärten kann. Kleinere Verschmutzungen lassen sich meist per Hand reinigen. Wenn eine gründlichere Reinigung nötig ist, verwende nur sehr wenig mildes Waschmittel und einen Schonwaschgang mit Kaltwasser.
Wie kann ich meine Filztasche wasserabweisender machen?
Reine Schurwolle hat bereits natürliche wasserabweisende Eigenschaften. Du kannst diese jedoch durch spezielle Imprägniersprays für Textilien oder Filz noch verstärken. Achte darauf, dass das Spray für das Material geeignet ist und trage es gleichmäßig auf.
Wie lang dauert es, eine Filztasche zu filzen?
Der Zeitaufwand für eine Filztasche variiert stark je nach Größe, Dicke und Komplexität des Designs. Für eine kleine Beuteltasche kannst du mit 2-4 Stunden reine Arbeitszeit rechnen. Größere, aufwendiger gestaltete Taschen können auch 8-10 Stunden oder mehr in Anspruch nehmen, wobei die eigentliche Filz- und Knetarbeit am zeitintensivsten ist.
Kann ich auch andere Fasern als Wolle zum Filzen verwenden?
Ja, für das Trockenfilzen kannst du auch andere Fasern wie Seide oder Baumwolle verwenden, oft in Kombination mit Wolle, um interessante Effekte zu erzielen. Beim Nassfilzen ist Schurwolle jedoch am besten geeignet, da ihre Fasern die notwendige Kräuselung für das Verfilzen aufweisen. Andere Fasern verfilzen oft nicht oder nur sehr schlecht.